2004-03:Tabak- Umwelt- Gesundheit

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Tabak- Umwelt- Gesundheit

Nun ist es soweit: Vom 16. bis zum 24. Oktober findet in Magdeburg die Veranstaltungswoche über die Folgen des Tabakanbaus statt. Hier ein paar Auszüge aus den Themen:

Krieg und Tabak

jes Natürlich nutzten die Zigarettenkonzerne Kriege immer wieder dazu, durch das Verteilen von Zigaretten an Soldaten viele Menschen abhängig zu machen. Aber es gibt noch mehr Verknüpfungen zwischen Krieg und Tabak.

Seit Deutschland wieder an dem internationalen Kriegsgeschehen teilnimmt, hat sich auch die Erkenntnis durchgesetzt, dass es zwar nicht mehr am politischen Willen der Herrschenden fehlt, Krieg zu führen aber sehr wohl an den nötigen finanziellen Mitteln.

Um diese Mittel zu bekommen, wurde zum Beispiel im Rahmen des zweiten Antiterrorpaketes 2002, 1,5 Mrd. € der Tabaksteuererhöhung an die Bundeswehr weitergereicht. Und es wird immer noch geplant weitere Gelder durch neue Steuererhöhungen auf Tabakprodukte zu beschaffen. Natürlich wäre es auch möglich aus anderen Steuern den Finanzbedarf der Bundeswehr zu decken. Da die Gesamtgewinne des Bundes durch die Tabaksteuer jedoch mittlerweile bei über 14 Mrd. € liegen, wäre ein Ausfall dieser Steuereinnahmen ein wirkliches Problem.

Auch würde die bisherige Argumentation, die Steuern würden nur aus Sorge um die Gesundheit der Bevölkerung erhöht, bei zum Beispiel einer Erhöhung der Mehrwertsteuer nicht greifen. Die Finanzierung eines Krieges würde also ohne die Tabaksteuer unweigerlich schwerer. Auch andere eher unbeliebte Maßnahmen des Bundes, z.B. der Ausbau der Geheimdienste, die über die Tabaksteuer finanziert werden, wären ohne sie kaum möglich.

Rauchen erleichtert daher die Kriegsführung- und das nicht nur in Deutschland, sondern mittlerweile in fast jedem Land.

Umweltschutz und Tabak

jos Sie werden sich vielleicht fragen, was der Konsum von Zigaretten mit Umweltschutz zu tun hat. Nun es geht uns hier nicht um die irgendwo liegengelassenen Zigarettenkippen, die vielleicht das Landschaftsbild verschandeln, sondern um die Abholzung von Regenwald zum Anbau und zur Trocknung von Tabak. Tabak ist eine sehr intensive Kultur, die vielfach mit Pestiziden behandelt wird. Nach wenigen Jahren ist der Boden an diesen Stellen ausgelaugt und die AnbauerInnen roden das nächste Stück Regenwald. Aufgrund der geringen Humusauflage ist der Regenwald im allgemeinen nicht regenerationsfähig.

Ebenso geht es um die Arbeitsbedingungen von den TabakproduzentInnen. Anstatt sich selbst mit Lebensmitteln zu versorgen, bauen sie Konsumgüter wie Tabak an. Oftmals entziehen sich die Menschen vor Ort damit ihre eigene Lebensgrundlage.

Im Gegenzug wird Getreide aus den USA in die Regionen in Afrika transportiert, um den Hunger vor Ort zu stillen. Aufgrund der hohen Konkurrenz auf dem Weltmarkt und Gewinnspannen von Zwischenhändlern bleibt den ProduzentInnen aber kaum das Geld zum Überleben übrig. Im Gegensatz zu anderen Genußmitteln wie Kaffee oder Tee gibt es so gut wie keinen Tabak aus fairem Handel.

Wir zählen zu den Umweltauswirkungen auch den Schutz der Nichtraucher. Insbesondere in partnerschaftlichen Beziehungen liegt den beteiligten das Wohl des Partners sehr am Herzen. Beim Tabakrauch werden aber die betroffenen Personen oftmals einfach zugequalmt zu Hause. Auch an vielen Stellen in der Öffentlichkeit, z.B. Diskos oder Cafes,ist es mit der Rücksichtnahme auf Nichtraucher nicht sehr weit her. Das widerspricht der nachgewiesenen Gefährdung durch den passiven Konsum von Tabak.

Werbung und Tabak

jos Von der Filmleinwand, von riesigen Plakaten in noch riesigerer Menge, über die Medienkanäle des Fernsehens und Zeitschriften versuchen Tabakkonzerne dem Konsum von Zigaretten diverse "anzustrebende" Werte anzuhängen - die Zigarette und das Rauchen selbst machen Ihr Leben schöner!

Losgelöst vom eigentlichen Produkt und dessen "Nutzen" - also dem Rauchen als stimulierendes Mittel - macht sich die Werbeindustrie die Neigung der Menschen zum Aufbau (u.a. der Suche nach dem Weg) der subjektiven Wertewelt zunutze. Unter Einsatz von integrierter Symbolik z.B. für Stärke und Coolness, Lebensfreude, Freunde, Schönheit, Freiheit spricht Werbung angestrebte Ideale (natürlich zum Teil unbewusst) an.

Zigarettenkonzerne wollen ihre Werbung niemals als eine (Mit)Ursache für das Rauchen sehen, sondern allenfalls als "Entscheidungshilfe". Die Wahl zwischen einer abenteuerlichen Marlboro, der gesellschaftlich-lustigen f6 oder sinnlich genießbaren Gauloises soll schließlich nicht dem Zufall überlassen werden. Trotzdem sprechen die Zahlen der RaucherInnen, die Hand in Hand gehen mit einer Veränderung der Werbemedien bzw. -strategien eine deutliche Sprache. So stieg z.B. mit der verstärkten Orientierung der Zigarettenwerbung auf Frauen der Anteil der Raucherinnen seit den 90'er Jahren kontinuierlich an.

Wer lieber der Nichtwirksamkeit von Werbung Glauben schenken mag, gehört wohl zu den ganz durchschnittlichen VerbRaucherInnen.

Rauchen gefährdet den Regenwald

Für den Tabak von 300 Zigaretten jeder Marke stirbt ein Baum

fb Mit Rauchen wird im allgemeinen die Schädigung der Gesundheit assoziiert; andere nicht weniger bedeutende Aspekte sind kaum bekannt. So zum Beispiel die Zerstörung des Regenwaldes für die Tabakproduktion. Oder die rechten Connections großer Tabakkonzerne. Den von der WHO ausgerufenen Welt-NichtraucherInnen-Tag am 31.5. haben verschiedene Initiativen zum Anlass genommen, um auf diese Zusammenhänge aufmerksam zu machen.

Am Freitag protestierten AktivistInnen der Kampagne "Rauchzeichen!" vor dem Hamburger Gelände des Tabakkonzerns Reemtsma. Mit Unterstützung durch den Hamburger Verein "Rettet den Regenwald e.V." prangerten sie die Abholzung des afrikanischen Miombo-Urwalds für die Tabakverarbeitung an. Es handelt sich der Kampagne "Rauchzeichen!" zufolge um das größte Trockenwaldgebiet der Erde. Für die Trocknung eines Kilogramms marktfähigen Tabaks müssen die Bauern bis zu 150 Kilogramm Holz verbrennen. Laura Graen von der Kampagne erklärt: "Der Tabak wird in der Regel von Kleinbauern angepflanzt, die in einen Teufelskreis aus Schulden und Abhängigkeit von transnationalen Zigarettenfirmen geraten sind. Von einer 4-EUR-Schachtel Zigaretten bekommt der Tabakbauer in Tansania nur knappe drei Cent. Der zur Imperial Tobacco Group gehördende Konzern Reemtsma trägt einen entscheidenden Anteil zu dieser Situation bei". Reemtsma gehören u.a. die Marken Polo, R1, Cabinet und Peter Styvesant.

Weitere Aktionen gibt es beispielsweise in Berlin und Magdeburg. In Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt verteilen AktivistInnen von Greenkids und anderen Gruppen umgestaltete Zigaretten-Schachteln an PassantInnen, um auf die Finanzierung von Krieg und "Innerer Sicherheit" durch die Tabaksteuer und rechte Connections von Tabakkonzernen aufmerksam zu machen. In den Wochen zuvor waren an verschiedenen Orten in Magdeburg "Zigaretten-Automaten" aufgestellt worden, in die leere Schachteln eingeworfen werden konnten. Diese Aktion ist Start einer Kampagne, die ihren Höhepunkt im Oktober in einer Veranstaltungswoche mit einer Tagung, Infoabenden und einer Zukunftswerkstatt finden soll.

Im Rahmen der Kampagne wird zu verschiedenen Themen recherchiert. Aktuelle Informationen zum Stand der Recherchen und zu Veranstaltungen und Aktionen sind im Internet auf http://www.alles-ueber-tabak.de zu finden.


Tabak und Rechtsextreme

jes Schon immer finanzieren sich Tabakkonzerne durch die Sucht anderer Menschen und damit auch durch deren Leiden. Dass es ihnen nicht nur um die Suchtbefriedigung schon süchtiger Menschen geht, sondern auch um das gezielte süchtig machen noch Gesunder beweist z.B. die Ausgabe von Zigaretten an Soldaten, auch an Nichtraucher, durch die verschiedenen Tabakkonzerne während vieler Kriege.

Schon die NSDAP nutzte die Sucht der Menschen, um entgegen ihres angeblichen Ziels eines gesunden Menschen, durch Tabakprodukte ihr totalitäres Regime zu finanzieren. Dazu verknüpfte sie auch Propaganda und finanzielle Interessen, indem sie z.B. in die Zigarettenschachteln Sammelbilder für Kinder drucken ließ.

Auch nach dem zweiten Weltkrieg nutzten immer wieder verschiedene rechte Organisationen die Sucht der Menschen, um sich zu finanzieren. Zum Beispiel finanzierten sich die United Clans of Amerika (UKA), eine mit dem Ku Klux Klan vergleichbare Organisation, denen viele Verbrechen gegen Minderheiten nachgewiesen werden konnten, in den 1960ern und 1970ern durch den Verkauf von Tabakwaren.

Und auch heute noch werden durch den Tabakverkauf rechte und gewalttätige Organisationen unterstützt. So finanzierte Phillip Morris, der Tabakkonzern der unter anderem die Marke Marlboro verkauft, den Wahlkampf von Georg W. Bush mit. Außerdem wird ihm vorgeworfen mit der internationalen Mafia zu agieren. In diesem Zusammenhang hat auch die EU-Haushaltskommissarin Michaele Schreyer eine milliardenschwere Zivilklage gegen Philip Morris und RJ Reynolds wegen Tabakschmuggels eingereicht.

Zigarettenschachteln für alle

jes Um auf die Probleme des Tabakanbaus hinzuweisen, veranstalteten die Greenkids Magdeburg e.V. am Weltnichtrauchertag eine ungewöhnliche Aktion in der Magdeburger Innenstadt. Mit der Forderung "Tabak fürs Volk", verteilten sie kostenlose Zigarettenschachteln unter den Besuchern des Stadtfestes. Diese Zigarettenschachteln enthielten jedoch keine Zigaretten, sondern viele Informationen über Tabak in Zigarettenform zusammengerollt und einen Beipackzettel, wie er sonst nur in Medikamentenpackungen zu finden ist. Dabei wurden die gesundheitlichen Risiken des Tabakskonsums nur als eines von vielen Problemen dargestellt.

Nach zwei Stunden regelmäßigen "Raucherpausen", welche die Raucher zu den Tabakwaren lockten, waren die Vorräte erschöpft und die Aktion wurde beendet.

Ziel der Aktion war es, die RaucherInnen dazu zu bringen ihren Tabakkonsum kritisch zu überdenken, damit sie ihn reduzieren oder ganz beenden.

Termine der Veranstaltungswoche:

  • 16.10.04 - 10 Uhr: Tabak-Tagung -> Fachhochschule Magdeburg
  • 16.10.04 - 20 Uhr: Film: "Rauchopfer" -> Oli Lichtspiele
  • 18.10.04 - 18 Uhr: "Ausbeutung beim Tabakanbau" ->eineWeltHaus
  • 20.10.04 - 18 Uhr: "Phillip Morris, die N.R.A. und der K.K.K." ->Thiembuktu
  • 21.10.04 - 18 Uhr: "Wohin geht die Tabaksteuer?" ->Umsonstladen
  • 22.10.04 - 18 Uhr: vegane Volxküche ->Thiembuktu
  • 23./24.10.04: Workshop zum Thema Tabak