2006-01:Dokumentarfilm; We feed the World

Aus grünes blatt
Wechseln zu: Navigation, Suche

Dokumentarfilm; We feed the World

fb Unerwartet für mich entpuppte sich "We feed the World" als klassischer Dokumentarfilm, der vor allem von Interviews mit Bauern, Fischer und Kleinhändler ausgemacht wird. Das überrascht positiv, dass solch ein Film es in die Kinos schafft. Andererseits ist jetzt für mich erklärbar, warum er in Magdeburg nicht gezeigt wird.

"We feed the World" ist eigentlich der Werbeslogan des Saatgut-Konzerns Pioneer, um den es zu Beginn geht. Insgesamt handelt die Dokumentation verschiedenste Bereiche und Aspekte der Lebensmittelindustrie ab und stellt sich vor allem als Anti-Globalisierungsfilm dar. Wie häufig in diesem Zusammenhang fehlen auch die platten Forderungen von Kleinkapitalisten nicht, die eigentlich vor allem keinen Bock auf die EU-Bürokratie und internationale Konkurrenz haben. Kritik an der Ausbeutung und Umweltzerstörung kommt zwar auch zur Geltung, spielt aber nicht die Hauptrolle. Zumal die Alternativen, die einige der Interviewten aufzeigen, überhaupt nichts emanzipatorisches haben, sondern nur auf einen "gebändigten Kapitalismus" abspielen.

Zwar werden die Zusammenhänge zwischen Ausbeutung von Menschen in der sogenannten "Dritten Welt", Regenwaldzerstörung für die Lebensmittelproduktion der Industriestaaten und der hiesigen Nahrungsmittelindustrie hergestellt. Im Detail greift die Kritik aber häufig zu kurz und erscheint nicht immer schlüssig. Was dieser Film neben dem Wahnsinn der Lebensmittelvernichtung bzw. absurder Verarbeitungs- und Transportpraktiken verdeutlicht, ist die Unerträglichkeit der Tierproduktion zu Lebensmittelzwecken. Selbst der Alltag des romantisiert dargestellten Kutterfischers ist brutal und grausam gegenüber den Lebewesen, die hier gefangen werden.

Selbst wenn mensch nicht der Überzeugung ist, dass unnötiges Töten von Lebewesen inakzeptabel ist, sollten die hier gezeigten Bilder genügen, um diese Abscheulichkeit zu erkennen. Was dem Film fehlt, ist das Aufzeigen von Perspektiven und Utopien. So bleibt für viele vermutlich vor allem Ratlosigkeit, die schnell in Resignation oder Ignoranz umschwenken kann. Infostände bzw. Aktionen rund um den Film, die über alternative Lebensweisen, Selbstorganisation und konkrete Kritik (bzw. Alternativen) an Gentechnik, Kapitalismus, Tierausbeutung etc. informieren, wären hier angebracht.

  • Erwin Wagenhofer: We feed the World
  • 2006