2008-03:Räumung im Wald

Aus grünes blatt
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Räumung im Wald – Der Widerstand geht weiter!

Floh „Nach Sonntag wird geräumt“, so hieß es am Anfang, nachdem 6 AktivistInnen am 28. Mai 08 den Kelsterbacher Wald besetzt hatten um die Waldrodung für den Flughafenausbau zu verhindern. Doch es kam anders. Am besagten Sonntag kamen 600 Menschen in den Wald um ihre Solidarität mit den WaldbesetzerInnen, sowie ihr Unverständnis über die Räumungspläne von Bürgermeister Ockel zu zeigen. Dieser bekam kalte Füße und lies den Wald nicht räumen (es war kurz vor der Bürgermeisterwahl). So hatte die Waldbesetzung ein dreiviertel Jahr bestand, bevor am 18.02. etwa 30 AktivistInnen aus den Bäumen und vom Boden geräumt wurden. Einen Sommer in dem aus einer Baumbesetzung ein Hüttendorf wurde, einen Herbst in dem das Camp an internen Konflikten zu nagen hatte und einen Winter in dem erstaunlich viele Menschen in der einzig beheizbaren Hütte und auf den Baumhäusern ausharrten. Viele hundert Menschen haben hier die Zeit über gewohnt. Aktionsgruppen und Zusammenhänge sind entstanden. Viele Aktionen gegen den Flughafen gingen von hier aus. Hinter der Besetzung standen viele AnwohnerInnen und die Bürgerinitiativen, die zwar einen radikalen, aktionistischen Flügel hat, es aber nicht schaffte Widerstand vor Ort aufzubauen. Auch die WaldbesetzerInnen schafften es im Endeffekt nicht der Polizeistrategie etwas entgegenzusetzen und nach der Räumung kontinuierlich am Thema dranzubleiben. Eine Hausdachbesetzung auf Landebahngebiet plus eine „BürgerInnendemo“ mit 300 TeilnehmerInnen war alles was auf die Räumung folgte. Keine Bahnhofs- und Autobahnblockaden in ganz Hessen, keine Wiederbesetzungen mit zehntausenden Menschen, keine Solidemos europaweit, keine Anschläge auf Fahrzeuge der am Bau beteiligten Firmen, wie einst bei der Startbahn West. Natürlich waren das andere Zeiten und heute gibt es keine Öko-Bewegung wie damals, und heute gibt es keine RZs mehr. Trotzdem müssen wir uns Fragen stellen wie:

   * Warum gelang es nicht, die linksradikale Szene zu erreichen und einzubeziehen?
   * Woher kommt das Desinteresse der AnwohnerInnen?
   * Wie kann dieses verändert werden?
   * Warum haben wir es nicht geschafft selber handlungsfähige, zuverlässige Strukturen aufzubauen, die auch an dem Thema dranbleiben? 

Weiter sollte sich eine Umweltbewegung allgemein die Frage stellen, warum die linksradikale Szene kein Interesse an Öko-Themen hat. Liegt das nur daran, das Antifas blind für andere Themen sind, oder ist das vielleicht auch ein Selbst-Verschulden der Umweltbewegung, die es nicht schafft Umweltthemen mit emanzipatorischen Ansätzen zu verbinden, sondern immer nur appellierende ist, so dass sich die Meinung durchsetzt Umweltschutz geht nicht ohne die Anerkennung von Herrschenden. Emanzipatorischer Umweltschutz ist aber auf jeden Fall möglich, wenn mensch nicht Forderungen an Regierungen und Konzerne stellt, sondern deren Vorhaben durch direkte Aktionen blockiert oder behindert und immer thematisiert, dass es ohne diese Herrschaftsstrukturen auch keine Umweltzerstörung gäbe, da negative Folgen von Großprojekten nicht mehr auf andere abgewälzt werden können. Da es keine autonomen Kleingruppen gibt, die am Thema dranbleiben, muss das über Eventveranstaltungen passieren. So wird für diesen Sommer ein Klimacamp in Kelsterbach geplant, von dem aus die Baustelle besetzt werden könnte, Aktionen am Flughafen stattfinden, oder der noch bestehende Wald besetzt werden kann. Denn mit der Räumung ist die Auseinandersetzung um die Landebahn nicht vorbei. Der restliche Wald muss noch gefällt werden (ab September wieder möglich) und bis zur Fertigstellung der Landebahn wird es noch einige Jahre Baustellen geben, die angegriffen werden können. Ein Wald soll gefällt werden, für eine Kiesgrube für die Landebahn. Und wenn die Landebahn fertig ist wird es gleich weiter gehen mit einer Südbahn bei Walldorf. Weiterhin gibt es viele Firmen die für die Fraport arbeiten, die deutschlandweit angegriffen werden können, wie bei der Deutsche Heeres Logistik-Kampange. Es lohnt sich also über die nächsten Jahre am Thema Frankfurter Flughafen dran zu bleiben und Strukturen aufzubauen. Ah ja, noch was erfreuliches zum Schluss: Zum Geburtstag von Landebahn-Chef-Planer Horst Annan brannte dessen Auto vor seiner Haustür ab. Happy Birthday!

Wald statt Asphalt, Qi Gong statt Beton (naja, nur weils sich reimt) !