2009-02:Widerstand gegen Uranabbau in Finnland

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Widerstand gegen Uranabbau in Finnland

fb Die Pläne des Atomkonzerns Areva, im finnischen Lappland Uran abbauen zu wollen, provozieren. Denn wieder einmal, wie schon im Niger, spekuliert der Konzern auf geringen Widerstand, da der Norden Finnlands nicht sehr eng besiedelt ist. Wie in den meisten Uranabbaugebieten der Welt, könnten auch hier bald Indigene betroffen sein: Die Saami sind die letzten Indigenen Europas. Doch der Widerstand gegen den Uranabbau in Lappland ist beeindruckend. Es scheint, dass die wachsende finnische Anti-Atom-Bewegung durch Arevas Uranabbau-Pläne einen enormen Zuwachs erhält. Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinde Ranua baten beim internationalen 'Nuclear Climate Camp' im Juli in Lappland um Unterstützung für ihren Widerstand. Ein erster Schritt: Finnische Anti-Atom-Aktivisten riefen den 13. August 2009 als internationalen "Ranua Rescue Aktionstag" aus. Protestveranstaltungen gab es auch in Deutschland, u.a. in Magdeburg und Berlin.

Jeder weitere Tag, an dem Atomkraftwerke in Deutschland betrieben werden, verlangt nach ungeheuren Mengen Uranerz, die abgebaut werden müssen. Im konventionellen Strommix ist in der Regel auch Atomstrom enthalten. Jede und jeder, die weiterhin konventionellen Strom beziehen, trägt daher Mitverantwortung für die Vernichtung einmaliger Ökosysteme und an der Ausbeutung und Unterdrückung indigener Menschen in den Uranabbaugebieten. Der Aktionstag sollte über diesen Zusammenhang aufklären und für verantwortliches Konsumverhalten sensibilisieren. Das Uran wird im Tagebau abgebaut. Dafür sollen in Lappland riesige unberührte Feuchtgebiete und boreale Wälder gerodet, trockengelegt und ausgebaggert werden. Großflächige Tagebaue werden die empfindlichen Ökosysteme wie riesige Narben durchziehen. Zur Erschließung muss die Zahl von Verkehrswegen vervielfacht werden, wodurch die Lebensräume massiv zerschnitten werden. Die in großem Umfang eingesetzten giftigen Chemikalien werden nicht nur lokal die Umwelt verseuchen, sondern erfahrungsgemäß über Grundwasser und Flusssysteme auch weitere Bereiche darüber hinaus belasten. Gewaltige radioaktive Abraumhalden werden dauerhaft Menschen und Umwelt gefährden.

Das abgebaute Uranerz kann nur zu einem geringen Teil verwertet werden. Von 300.000 Tonnen gefördertem Erz gehen nur 33 Tonnen in die Brennelemente-Fertigung. Der Rest bleibt als Atommüll überwiegend direkt in den Uranabbau-Gebieten in Form von Abraumhalden zurück. Einmal ans Tageslicht gebracht, stellt der Untergrund-Boden eine strahlende Gefahr dar. Trotz der verhältnismäßig geringeren Zahl von Atomkraftwerken geht der Atomindustrie ihr Brennstoff aus. Die alten Träumereien vom ewigen Brennstoffkreislauf in Schnellen Brütern und anderen Anlagen der sogenannten 'Vierten Generation' haben sich längst als Fehlschlag herausgestellt. Nirgendwo auf der Welt funktionierten diese Reaktoren. Wollte die Atomindustrie ihren Reaktorenpark auf eine energetisch relevante Größe erweitern, hätte sie bald keinen Brennstoff mehr. Neue Uranabbaue wie im finnischen Ranua sollen diesen Trend verzögern, aber das Ende ist absehbar: Uran ist eine äußerst begrenzte Ressource und keine Basis für eine dauerhafte Energieversorgung.

Ranua ist eine von mehreren Gemeinden in Nordfinnland, in denen der französische Atomkonzern Areva Uran abbauen möchte. In einem Joint Venture aus Areva und dem deutschen Siemens-Konzern betreibt das Unternehmen in Finnland bereits den Bau des ersten EPR-Reaktors. Bis heute wurden mehr als 1.000 Fehler beim Bau des neuen Reaktors registriert, die Kosten haben sich vervielfacht und die Fertigstellung ist längst überfällig. Aufgrund systematischer Verstöße gegen Vorschriften hatte die finnische Aufsichtsbehörde zwischenzeitlich einen Baustopp verhängt. In Ranua leben etwas mehr als viereinhalb Tausend Menschen. Das Gemeindegebiet hat eine Fläche von etwa 3.700 Quadratkilometern. Etwa 70 % der Fläche besteht aus Sumpfgebieten. Ein Uranabbau würde den Menschen ihrer Lebensgrundlage berauben, wenn sie nicht mehr Beeren und Pilze sammeln, wilde Pflanzen Sammeln, Rentierzucht, Fischen und Landwirtschaft betreiben könnten. Bergbau und Atommüll in der verletzlichen nördlichen Natur würden außerdem Europas letzten verblieben Wildnisgebiete für immer zerstören. In vielen Ländern wird die finnische Atompolitik genau beobachtet, um zu sehen, ob es einen neuen Trend in der Atomenergie gibt. Daher handelt es sich nicht nur um ein lokales Anliegen, sondern diese Vorgänge in Finnland haben Bedeutung für alle Menschen in Europa und der Welt.