2015-01:Hamburg: Drehscheibe im internationalen Atomgeschäft

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Hamburg: Drehscheibe im internationalen Atomgeschäft

anti-atom-büro Hamburg Wohl kein Ort steht stärker im Fokus der Hansestadt und ihrer zahlreichen BesucherInnen. Dass der Hafen die zentrale Drehscheibe Deutschlands im internationalen Atomgeschäft darstellt, blieb von der Öffentlichkeit bislang weitgehend unbemerkt. Genau 117 meldepflichtige Atomtransporte erreichten den Hafen im Jahr 2012, 116 waren es 2013. Die zahlreichen nicht genehmigungspflichtigen Atomtransporte hinzugerechnet, wird mehrmals in der Woche nukleares Gefahrgut in Hamburg umgeschlagen, vor allem Uranprodukte. Dies geschieht in unmittelbarer Nähe von Wohngebieten und Vergnügungsmeilen, den erheblichen damit verbundenen Risiken zum Trotz. Der folgende Text zeichnet nach, was hinter diesen Transporten steckt und welche Funktion sie im internationalen Atomgeschäft haben.

Was unterscheidet Uran von anderen Energieträgern?

Im Gegensatz zu Kohle, Gas oder Wind ist das in AKW genutzte Uran kein Rohstoff, sondern ein hochveredeltes Industrieprodukt. Mindestens fünf Verarbeitungsschritte muss es durchlaufen haben, die sog. Brennstoffkette, ehe aus ihm Energie gewonnen werden kann:

  • Die Brennstoffkette beginnt mit dem Zerkleinern und Mahlen des geförderten Erzes und der Verarbeitung des so entstandenen Pulvers zu Uranerzkonzentrat (Yellow Cake).
  • Im zweiten Schritt wird das Uranerzkonzentrat in einer Konversionsanlage zu Uranhexafluorid verarbeitet.
  • Im dritten Schritt kann dann in einer Urananreicherungsanlage der Gehalt an Uran 235, also dem spaltbaren Uran, so weit angehoben werden, dass das Material in AKW verwendbar ist.
  • Vorher aber muss in einem vierten Schritt in einer Rekonversionsanlage das Fluor wieder abgetrennt werden; es entsteht angereichertes Uranoxid.
  • Im fünften Schritt wird dieses in einer weiteren Anlage in Pellets gepresst und in Brennelemente verfüllt. Erst dann gelangt das Uran zu den AKW.

Atombombe und Atomkraftwerk – zwei Seiten einer Medaille

Warum sich die Atomenergie trotz des oben beschriebenen, enormen Aufwands durchsetzen konnte, ist nur durch ihre militärische (Vor)Geschichte nachvollziehbar. Diese Geschichte begann mit den Atomwaffenprogrammen der 1940er und 50er Jahre in den USA, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion.

Alle Produktionsschritte und auch ein Großteil der Anlagen, die bei der Produktion von Atom-Brennstäben benötigt werden, wurden ursprünglich zur Produktion atomwaffenfähigen Materials entwickelt. Dieses bildet sich noch heute deutlich in der globalen Verteilung der Produktionsstätten ab. Der größte Teil der Konversionsanlagen (7 von 10) und mehr als die Hälfte der Urananreicherungsanlagen (7 von 13) werden von Atommächten betrieben, und in den meisten Fällen, wie bspw. In Cadarache (F) und Sellafield (GB), befinden sich „zivile“ und „militärische“ Anlagen auf dem gleichen Gelände.

Den extremen technischen Aufwand, der zur Umwandlung von Uranerz in Brennelemente notwendig ist, nehmen also vor allem Länder in Kauf, für die der Besitz von Atomwaffen im Vordergrund steht.

Hamburg: Europas zweitgrößter Hafen

Ein Großteil der Urantransporte wird notwendig, weil das Uranerz zunächst von den Uranlagerstätten zur technischen Aufbereitung (Konversion, Anreicherung, Brennelementefertigung) in die Anlagen der Atommächte befördert werden muss, und schließlich, nach verschiedenen Transporten zwischen diesen Produktionsstätten, zu den AKW in rund 30 Ländern ohne eigene Atomindustrie verbracht werden muss. Als zweitgrößter Hafen Europas an der Schnittstelle zwischen Kontinentaleuropa, Asien und den USA, mit seiner Brückenfunktion in das Baltikum (Transporte aus Russland) spielt Hamburg eine herausgehobene Rolle als Drehscheibe der vielen oben beschriebenen Atomtransporte zwischen den Anlagen in Europa, jenen in den USA und den Uranminen in Kanada und Namibia. In vielen Fällen ist es nicht zwingend notwendig, die Transporte über den Hamburger Hafen laufen zu lassen, doch häufig bietet es sich für die Transporteure an, bereits bestehende Schiffs-Liniendienste zu nutzen (z.B. von den Reedereien Hapag Lloyd oder ACL).


Von der Uranmine zur Konversionsanlage

Noch in den Uranminen wird das Uranerz zunächst zerkleinert und gemahlen. Anschließend wird das Uran abgetrennt, wobei zum einen sehr große Mengen Wasser verbraucht werden, zum anderen riesige Mengen an radioaktiven Schlämmen anfallen, die in großen Absetzbecken (Tailings) unter freiem Himmel gelagert werden.

Das Produkt der Uranminen ist pulverförmiges Uranerzkonzentrat (U3O8), das auf Grund seiner Farbe auch Yellow Cake genannt wird. In Leichtwasserreaktoren wie Druck und Siedewasserreaktoren, den weltweit mit Abstand häufigsten Reaktortypen, kann Natururan jedoch nicht eingesetzt werden. Sein Anteil an spaltbarem Uran 235 ist mit rund 0,7% zu niedrig, um eine Kettenreaktion in Gang zu setzen. Um den Anteil an Uran 235 auf die notwendigen 3-5% anzureichern, muss das Uranerz zunächst in den Konversionsanlagen in Uranhexafluorid (UF6) umgewandelt werden. Da Uran zumeist in Ländern gefördert wird, die keine eigenen AKW besitzen und es weltweit nur zehn Konversionsanlagen gibt, die diesen sehr aufwändigen Verarbeitungsschritt auf industriellem Niveau bewältigen können, muss das Uran nach der Förderung rund um den Globus bewegt werden. Die einzige industrielle Konversionsanlage auf dem europäischen Kontinent befindet sich im französischen Tricastin/Malvési und ist zu 100% auf Importe aus Übersee angewiesen. Eine ganze Reihe von Transporten zu dieser Anlage werden über den Hamburger Hafen abgewickelt.

Für ein Kilogramm Yellow Cake müssen im Schnitt zwei Tonnen Erz verarbeitet werden. Rund 85% der radioaktiven Strahlung verbleibt im Abraum der Uranminen, da von allen im Gestein enthaltenen radioaktiven Metallen (u.a. Thorium, Radium, Radon usw.) lediglich das Uran extrahiert wird.

Uranerztransporte durch Hamburg

Über den Hamburger Hafen wird vor allem Uranerzkonzentrat aus Kanada, Namibia, Kasachstan und Russland umgeschlagen:

  • Die Hamburger Reederei MACS transportiert regelmäßig Yellow Cake aus Namibia nach Hamburg. Zwischen dem Frühjahr 2013 und dem Frühjahr 2014 wurden bei neun Transporten insgesamt rund 2300 Tonnen Uranerzkonzentrat am Südwestterminal umgeschlagen. Die Container werden dann per Bahn über Maschen, Köln und Koblenz ins französische Narbonne transportiert. Per LKW geht es anschließend weiter zum Atomkomplex von Malvési. Dort wird das Uranerz in einem Zwischenschritt in UF4 umgewandelt, bevor es weiter nach Tricastin gebracht wird, wo der nächste Verarbeitungsschritt zu UF6 stattfindet.
  • Auf dem gleichen Weg, über das Süd-Westterminal der Firma C. Steinweg, werden Schiffslieferungen von Uranerzkonzentrat aus Kasachstan umgeschlagen, und per Bahn nach Frankreich transportiert.
  • Darüber hinaus gibt es regelmäßig Uranerzlieferungen aus Russland durch den Nord-Ostsee-Kanal, die von den Reedereien NSC und ASPOL über den Burchardkai / Parkhafen der HHLA abgewickelt wird, am Burchardkai / Athabaskakai umgeschlagen, direkt gegenüber dem beliebten Badestrand von Övelgönne.
  • Kanadisches Uranerz befördert die Hamburger Reederei Hapag Lloyd mit den Schiffen Toronto Express und Montreal Express sowie mit der OOCL Montreal. So wurden auf diesem Weg beispielsweise zwischen November 2013 und Mai 2014 bei sechs Transporten rund 1200 t Uranerzkonzentrat umgeschlagen.


Von der Konversionsanlage zur Urananreicherungsanlage

Der sehr aufwändige und technisch anspruchsvolle Prozess der Urananreicherung wird weltweit nur in einem Dutzend Anlagen betrieben. Diese Anlagen sind von höchster militärischer Brisanz, weil sie Uran 235 nicht nur für die AKW auf einen Anteil von 3-5% anreichern, sondern durch eine Verlängerung des Prozesses auch atomwaffenfähiges Material produzieren können. Deshalb steht die iranische Urananreicherungsanlage in Natanz so sehr im Fokus internationaler Aufmerksamkeit. Bis auf die Anlagen in Gronau (Deutschland), Almelo (Niederlande) und Tokai (Japan) sind die Urananreicherungsanlagen alle im Besitz von Atommächten. Über den Hamburger Hafen werden sowohl die Urananreicherungsanlage der Firma Urenco im westfälischen Gronau als auch die Anlage im niederländischen Almelo beliefert. Dabei erzeugt die Anlage in Gronau rund 10% der weltweit produzierten Menge an angereichertem UF6. Sie kann mehr als 30 AKW versorgen und stellt damit die mit Abstand wichtigste deutsche Atomanlage dar.

Den Großteil des nicht angereicherten UF6 bezieht die Urenco per Bahn aus der französischen Konversionsanlage Tricastin. Regelmäßig wird außerdem Material aus Kanada verarbeitet.

Die Verhinderung dieser gefährlichen Transporte dürfte für den Hamburger Senat eigentlich kein großes Problem darstellen, da die Stadt Hamburg größter Aktionär der Reederei Hapag Lloyd ist, er hat daran aber offensichtlich kein Interesse. Uranhexafluorid ist eine sehr reaktive und extrem giftige chemische Verbindung. Bei der Freisetzung dieses Stoffes nach einem Unfall bildet sich in Verbindung mit Wasser Uranylfluorid (UO2F2) und Fluorwasserstoff (HF). Beim Einatmen der Schadstoffwolke kann das Uranylfluorid schwere Nierenschädigungen bis hin zum Tod durch Nierenversagen hervorrufen. Fluorwasserstoff bildet in Verbindung mit Wasser aggressive Flusssäure, die nicht nur organische Materie, sondern selbst Glas angreift. Es drohen Verätzungen von Haut, Augen und Atemwegen bis hin zum Tod. In Folge eines Unfalles mit Uranhexafluorid besteht je nach Freisetzungsmenge noch in zwei Kilometern Entfernung für Menschen am Unfallort akute Lebensgefahr.

Transporte von nicht angereichertem UF6 durch den Hamburger Hafen

Wie beim Transport von Uranerzkonzentrat aus Kanada spielt die Hamburger Reederei Hapag Lloyd auch bei der Verschiffung von nicht angereichertem Uranhexafluorid aus Kanada nach Europa eine zentrale Rolle. Die aus der Kanadischen Konversionsanlage Port Hope kommenden UF6-Spezialbehälter werden in Montreal auf die Hapag Lloyd Schiffe Montral Express, OOCL Montreal oder Toronto Express verladen, und nach einem Zwischenstop in Antwerpen nach Hamburg verschifft. Der Umschlag findet hier am Athabaskakai der HHLA, direkt gegenüber von Övelgönne, statt.


Urananreicherung -> Brennelementefertigung

Bevor das angereicherte Uran in einem AKW eingesetzt werden kann, muss es zunächst in eine stabilere, d.h. weniger reaktive Form gebracht werden. Dazu wird es wieder in Uranoxid konvertiert, welches schließlich zu Pellets gepresst und gesintert (erhitzt) wird. Diese tablettenartigen Pellets werden dann in Metallröhren gefüllt, die zu mehreren in einem Brennelement zusammengefasst werden. Da diese Brennelemente sehr genau auf das Reaktordesign angepasst sind, stellt jede Firma, die AKW baut, auch eigene Brennelemente her. Brennelementefabriken gibt es daher von allen größeren Atomkonzernen wie Areva, Westinghouse, Kepco, Hitachi. Nach dem Anreicherungsprozess wird das Uranhexafluorid als Kernbrennstoff klassifiziert, dessen Transport in Deutschland vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) genehmigt werden muss. Von den 77 meldepflichtigen Atomtransporten, die in den letzten eineinhalb (Stand Mai 2014) Jahren über den Hamburger Hafen abgewickelt wurden, waren mehr als die Hälfte UF6-Transporte nach und von Gronau (33) bzw. Almelo (10). Die Urananreicherungsanlagen der Urenco sind damit die wichtigsten Verursacher genehmigungspflichtiger Atomtransporte im Hamburger Hafen überhaupt.

Angereichertes UF6 im Hamburger Hafen

Die meisten UF6-Transporte werden von der in der Hamburger Hafen-City residierenden amerikanischen Reederei ACL durchgeführt. Mit ihren Schiffen transportiert sie das angereicherte UF6 zu den amerikanischen Brennelementefabriken von Areva (Richland), Westinghouse (Columbia) und Global Nuclear Fuel = General Electrics/Hitachi/Toshiba (Wilmington). Allein zwischen Februar und April 2014 fanden 7 Atomtransporte mit angereichertem Uranhexafluorid statt. Durchgeführt wurde sie allesamt von der Reederei ACL über den O'Swaldkai mit den Schiffen Atlantic Cartier, Atlantic Companion, Atlantic Concert, Atlantic Conveyor und Atlantic Compass. Daneben werden regelmäßig Transporte der koreanischen Firma KNFC in Daejon von Gronau zur Brennelementefabrik über das Terminal Altenwerder von der Reederei Hyundai durchgeführt.


Transporte von Zwischenprodukten zur Brennelementefabrik

Wie oben bereits beschrieben, muss das Uran vor seiner Weiterverarbeitung zu Brennelementen in eine stabilere Form, das Uranerz (U02) gebracht werden. Nur so kann es zu Pellets verarbeitet und in Brennelemente eingefüllt werden. Einige Brennelementefabriken können diesen Schritt selbst bewerkstelligen, andere sind auf die Lieferungen der Zwischenprodukte Uranoxid bzw. Pellets angewiesen.


Von der Brennelementefertigung zum AKW

Als Absendeort für Atomtransporte von Brennelementen durch Hamburg finden sich die Brennelementefabriken von drei verschiedenen Atomkonzernen, Areva (Lingen), Westinghouse (Vesteras/Schweden) und Tenex (Elektrostal/Russland). Zum einen ist da die einzige bundesdeutsche Brennelementefabrik im niedersächsischen Lingen, die zur französischen Areva Gruppe gehört. Ein Großteil der dort produzierten Brennelemente wird in Europa eingesetzt und gar nicht nach Übersee verschifft, zumal Areva in Ritchland (USA) eine weitere Fabrik für den amerikanischen Markt betreibt.

Transporte von Zwischenprodukten durch den Hamburger Hafen

  • Zwischen der Areva-Brennelementefabrik in Lingen und ihrer Schwesterfabrik im amerikanischen Ritchland fanden innerhalb von 18 Monaten (zwischen dem 1. Januar 2013 und dem 1. Mai 2014) zwanzig Transporte von Uranpellets und angereichertem Uranoxid (UO2) statt. Der Umschlag erfolgt dabei am O'Swaldkai der HHLA auf die Schiffe der Reederei ACL, die auch das angereicherte UF6 aus Gronau und Almelo in die USA transportiert.
  • Daneben wird regelmäßig angereichertes Uranoxid aus Russland nach Lingen geliefert. Der Transport findet dabei mit den Schiffen der Reederei NSC und der auf Atomtransporte spezialisierten ASPOL von St. Petersburg durch den Nord-Ostseekanal nach Hamburg statt. Wie auch die anderen Atomtransporte dieser Reedereien wird das Uranoxid am Parkhafen/Burchardkai der HHLA umgeschlagen und über die A7 abtransportiert.

Brennelementetransporte über den Hamburger Hafen

  • Über den Hamburger Hafen wird der immer noch nicht fertiggestellte Skandalreaktor von Areva im finnischen Olkiluoto mit Brennelementen aus Lingen versorgt.
  • Regelmäßig werden über den Burchardkai / Parkhafen der HHLA Brennelemente der russischen Firma Tenex umgeschlagen, die aus St. Petersburg kommend von den russischen Reedereien ASPOL und NSC mit ihren Schiffen durch die Ostsee und den Nord-Ostsee-Kanal befördert werden. Auf LKW verladen werden sie anschließend über die A7 weiter bis zu den AKW Gundremmingen, Neckarwestheim, Brokdorf, Beznau (Schweiz) und Lingen transportiert.

LKW Transporte ohne Hafenumschlag

Nicht nur über den Hafen finden Atomtransporte in Hamburg statt. Auf den Autobahnen A1 und A7 werden fast wöchentlich Westinghouse Brennelemente aus dem schwedischen Vesteras in deutsche (Grafenrheinfeld, Isar, Gundremmingen), schweizerische (Leibstadt) und französische (Paluel, Blayais, Gravelines, Saint-Laurent) AKW geliefert. Zumindest ein Teil der 47 Transporte, die in den letzten eineinhalb Jahren (Stand Mai 2014) auf diesem Weg Hamburg passierten, dürfte vorher auf den Personenfähren der Scandline über die Fährlinie Rostock-Trelleborg befördert worden sein. Selbst im wenig atomkritischen Schweden hat dies einige Presseresonanz hervorgerufen. Die Passagiere der Scandline werden über derartige Transporte nicht informiert. Sehr gefährlich sind die Transporte plutoniumhaltiger MOX Brennelemente, die mehrmals im Jahr auf der A7 durch den Hamburger Elbtunnel stattfinden. Auf Grund der hohen Strahlung sind diese Transporte aus dem belgischen Dessel zum AKW Brokdorf nur in Castor-ähnlichen Spezialbehältern möglich. Neben den in diesem Text aufgeführten regelmäßigen Atomtransporten finden immer wieder „ungewöhnliche“ Transporte wie die Anlieferung von Brennelementen für Forschungsreaktoren, oder Tritium-Transporte statt. Sie alle aufzuführen würde den Rahmen dieses Textes sprengen. Es sei an dieser Stelle auf die sehr gut bestückten Webseiten der Gruppe SAND (www.nadir.org/nadir/initiativ/sand/) und umweltfairaendern.de verwiesen. Eine sehr umfangreiche Datensammlung zu allem rund um Uran findet sich unter http://www.wise-uranium.org.


UN-Nummern

7 - Gefahr durch Radioaktivität

8 - Gefahr durch Ätzwirkung

2978 Radioaktive Stoffe, Uranhexafluorid, nicht spaltbar oder spaltbar, freigestellt
2977 Radioaktive Stoffe, Uranhexafluorid, spaltbar
2912 Radioaktive Stoffe mit geringer spezifischer Aktivität (LSA-I), nicht spaltbar oder spaltbar, freigestellt
3321 Radioaktive Stoffe mit geringer spezifischer Aktivität (LSA-II), nicht spaltbar oder spaltbar, freigestellt
3324 Radioaktive Stoffe mit geringer spezifischer Aktivität (LSA-II), spaltbar
3322 Radioaktive Stoffe mit geringer spezifischer Aktivität (LSA-III), nicht spaltbar oder spaltbar, freigestellt
3325 Radioaktive Stoffe mit geringer spezifischer Aktivität (LSA-III), spaltbar


Atomtransporte: Brandgefährlich!

Am 1. Mai 2013 kam es zum schwersten Schiffsbrand der letzten Jahrzehnte im Hamburger Hafen. Am O'Swaldkai brannte rund 15 Stunden lang die Atlantic Cartier der Reederei ACL. Zeitgleich fand nur wenige hundert Meter entfernt der Abendsegen des evangelischen Deutschen Kirchentages mit 12.000 Teilnehmenden statt. Insgesamt waren 296 Feuerwehrleute, ein Löschboot, 3 Schlepper, drei Polizeiboote und 76 Feuerwehrfahrzeuge im Einsatz, der Hamburger Katastrophenschutzstab trat zusammen. Der Grund: Mit an Bord waren ein Behälter mit Uranhexafluorid, 11 t Brennelemente, 180 t Ethanol und rund 3,8 t Munition. Eine Möglichkeit den Kirchentag im Hafen zu evakuieren gab es laut Veranstalter nicht – daher wurden die Teilnehmenden auch nicht über den Großbrand in ihrer Nähe informiert. Bereits zwei Tage danach, am 4. Mai 2013, fand der nächste Urantransport am O'Swaldkai statt. Die Sicherheitslage bezüglich der UF6-Transporte hat sich ein Jahr nach dem Brand nur in soweit verändert, dass zum Jahrestag kein einziges Feuerlöschboot einsatzbereit war. Unfälle kommen bei Atomtransporten der ACL öfters vor, alleine die Aufzählung der Unfälle bei Transporten dieser Reederei würde einen eigenen Text rechtfertigen.


Hamburg – Drehscheibe im internationalen Atomgeschäft

  • Über den Hamburger Hafen werden mehrmals in der Woche Atomtransporte durchgeführt.
  • Dabei verbinden die Atomtransporte durch Hamburg weltweit Atomanlagen auf allen Ebenen der nuklearen Brennstoffkette miteinander.
    • Ob Uranerzkonzentrat aus Namibia für die Konversionsanlage in Malvési, nichtangereichertes Uranhexafluorid aus dem Kanadischen Port Hope für die Urananreicherungsanlage in Gronau,
    • oder die Versorgung amerikanischer Brennelementefabriken durch ebendiese Gronauer Anlage mit angereichertem Uranhexafluorid,
    • und die Lieferung von Brennelementen aus Lingen für das Skandal-AKW in Olkiluoto.
  • Der Hamburger Hafen als zweitgrößter Hafen Europas ist Deutschlands zentrales Drehkreuz für Atomtransporte im internationalen Atomgeschäft.
  • Jenseits der Beschlüsse, bundesdeutsche AKW im Laufe des nächsten Jahrzehnts abzuschalten, versorgen diese Transporte die weiterhin florierenden Atomfabriken im Westen der Republik. Mit mittlerweile jeweils 10% Weltmarktanteil sind die Urananreicherungsanlage Gronau und die Brennelementefabrik in Lingen wichtige internationale Playern im Atomgeschäft und verursachen den Großteil der meldepflichtigen Kernbrennstofftransporte im Hamburger Hafen.
  • Dass diese Transporte nicht nur theoretisch gefährlich sind, hat der schwere Brand auf der Atlantic Cartier am 1. Mai 2013 deutlich gezeigt.

Über die Beteiligung als größter Aktionär von Hapag Lloyd könnte die Stadt Hamburg sofort den Umschlag von Uranerzkonzentrat und Uranhexafluorid aus Kanada unterbinden. Als Hauptaktionärin der HHLA (Hamburger Hafen und Logistik AG), die u.a. den O'Swaldkai und den Burchardkai betreibt, könnte sie untersagen, dass an diesen für die Urantransporte zentralen Kaianlagen radioaktives Material verladen wird. Und schließlich könnte der Hamburger Senat den Hamburger Hafen für den Transport von Kernbrennstoffen entwidmen. Der viertgrößte Hafen Europas, Bremerhaven, hat dabei bereits vorgemacht, wie es gehen kann. Dass dies noch nicht geschehen ist, zeigt, wie wenig Aufmerksamkeit dem Thema Urantransporte in Hamburg bislang zuteil wird.


Der Text basiert auf einem Flugblatt des anti-atom-büro Hamburg. Alle Zahlen zu Transporten über den Hamburger Hafen sind den Senatsdrucksachen 20/11730, 20/10795, 20/9883 und 20/6819 entnommen, die Antworten auf kleine Anfragen der Fraktion Die Linke in der Hamburger Bürgerschaft waren. Weitere Fußnoten, Grafiken und Anmerkungen gibt es im zugrunde liegenden Flugblatt.