2016-01:Ansichten zu Umwelt und Macht

Aus grünes blatt
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Zum Verhältnis von Umwelt und Macht

Ansichten

jb Natur- und Umweltschutz verbrüdern sich gern mit der Macht, sei es der Staat mit seinen ordnungspolitischen Mitteln oder die Konzerne mit ihrer Marktmacht.

Das zeigt Peter Clausing in „Die grüne Matrix“ (2013, Unrast in Münster, 13 €) am Beispiel von Schutzgebieten und dem Kungeln von Umweltverbänden mit Industrie und Regierungen auf. Im Ergebnis werden immer wieder Menschen vertrieben oder unterdrückt. Als Gegenentwürfe werden vor allem Beispiele für angepasste Anbausysteme beschrieben.

Mehrere für diese Themenstellung relevante Bücher sind in der Reihe „unrast transparent“ erschienen. Die kleinen Werke eignen sich hervorragend als Einstiegslektüre ins jeweilige Thema, weisen aber überraschende und völlig unnötige Schwächen auf. Sowohl Peter Bierls „Grüne Braune“ zu Führungsfiguren mit rechtem Gedankengut in Umweltorganisationen und –parteien (2014, 78 S., 7,80 €) wie auch Christof Mackingers „Radikale Ökologie“ als recht zusammenhangslose Abfolge von Einzeldarstellungen aktionistischer bzw. fundamentalistisch argumentierender Umweltgruppen (2015, 88 S., 7,80 €) kommen völlig ohne Quellen und Belegangaben aus. Beide wirken schnell runtergeschrieben – einfach das, was die beiden (durchaus fachkundigen) Autoren halt so im Kopf haben. Bierls Buch erreicht die 90er Jahre kaum, geschweige denn aktuelle Phasen – eine unerklärliche Lücke. Mackinger sind in der erkennbaren Eile des Runterschreibens beeindruckend viele Fehler unterlaufen. Im Gentechnikkapitel sind z.B. fast alle Orts- und Zeitangaben falsch. Wesentliche Strömungen und inhaltliche Beiträge zur Fragestellung, die bereits vorliegen, hat er auch nicht verarbeitet. Insofern lautet das Fazit: Gut gemeint. Mehr nicht.

Ganz anders geht John Bellamy Foster in „Die ökologische Revolution“ vor (2012, Laika in Hamburg, 148 S., 19,80 €). Sein Blickwinkel ist streng marxistisch. Das hilft ihm bei seiner Analyse der Ursachen und der konkreten Umweltpolitiken, die sich angenehm von bürgerlichen NGOs und Parteien, die auf eine kritisch an Herrschaftsverhältnissen ganz verzichten. So schafft es Forster immerhin, z.B. die in bürgerlichen Kreisen bejubelte Umweltkonferenz von Rio 1992 kritisch zu beleuchten. Doch dann verfällt er in den Schreibstil, der schon seine anderen Bücher prägt: Das Buch wird zu einer Festschrift für Karl Marx. Seite für Seite versucht Foster zu beweisen, dass Marx der erste ökologische Theoretiker war. Ob das stimmt oder aus Marx-weiß-alles-und-hat- immer-recht-Verblendung folgt, sei dahingestellt. Denn für die eigentliche Frage des Buches ist das eigentlich egal. Statt einer brauchbaren ökosozialistischen Theorie schreibt Foster ein Werbebuch über Marx – und verfehlt damit (zumindest im zweiten Teil) das Thema des Buches. Schade, denn überzeugende ökologische Theorien sind in der sozialistischen Debatte und erst recht Praxis alles andere als häufig. Dass Foster den Erdölfördergigangten Venezuela als leuchtendes Öko-Land und die „Überbevölkerung“ (S. 55) als Umweltproblem darstellt, zeigt denn auch, dass ihm diese Theorie fehlt.