2019-01:Anders schreiben!

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Anders schreiben!?

Debatten, Diskurse und Konflikte besprechen wir selten mit politischen Gegner*innen und die eigene Wohlfühlblase wächst, lässt uns kaum noch in Begegnung kommen. Wie können wir, als aktive Menschen, etwas bieten, dass diesen Streit wieder fördert, was uns zuhören lässt und andere erreicht, die ganz anderer Meinungen sind? Dieser Text soll Vorschläge formulieren, ohne jeden Anspruch einer wissenschaftlichen Fundierung, ohne politische Rhetorik und ohne journalistischen Objektivitätsanspruch. Ein Versuch:

In einer Zeit in der digitale Kommunikation exponentiell zunimmt, politische Akteure stark werden, die vorher kaum Einfluss hatten, und wirtschaftlicher Druck wieder steigt erleben Einzelne sehr schnell, was es heißt gegen Windmühlen zu kämpfen. Manche denken gar, dass im Web gegen Hass und Faschisten sowie Lobbyisten anzuschreiben schon die Weltrettung sein kann. Egal ob Familie, Freundeskreis, Arbeitskolleg*innen oder Aktivist*innen: Wir zersplitten uns, einzelne werden einsamer, wir polemisieren, wir wollen Recht haben und die Anderen haben nur Killerphrasen und laben sich in einer teilweise gestörten Angstwahrnehmung. Vielleicht werde ich auch älter und bemerke das heutzutage erst, dennoch sollten neue Dimensionen zu neuen Handlungsoptionen führen. Wirklich neu ist die Digitalisierung, die nach Macht strebende AFD, wirtschaftlich zunehmender Druck, Umweltzerstörung und eine Wohlstandsschere die bald bricht, wenn sie weiter aufgezerrt wird.

Das Hauptproblem liegt meines Erachtens in einem Verlernen guten Streitens, schlecht ausgeprägter Kommunikationskompetenzen und in einem wissenschaftlichen Elfenbeinturm, der jeden Anspruch an Didaktik verliert. Zudem kommt noch der Aspekt einer fehlenden arnachistischen oder auch generellen linken Einigkeit, selbst die Umweltbewegung hat es da nicht mehr so leicht. Nachfolgend möchte ich Vorschläge machen, die uns ermöglichen anders über das Schreiben und Kommunikation nachzudenken.

Vorschlag 1 – Sag mir doch erst mal wer du bist Viele Texte lesen wir, ohne den*die Autor*in zu kennen. Wir verlassen uns auf das Medium, über das publiziert wird, wie Belege angeführt werden und ob es wissenschaftliche Beweise gibt. Doch unser Gehirn funktioniert nicht allein auf der Sachebene – nie! Neue Denkanstöße, neue Fakten, neue Argumente müssen wir uns durch lernen aneignen. Dafür müssen wir altes, überholtes Wissen, revidieren – ja, verlernen! Lernprozesse sind emotionale Perioden unseres Handelns. Neugier, Empathie, Angst, Freude, Gemeinschaftsgefühle und viele weitere fördern Lernprozesse. Dieses "Lernen" findet auch in Debatten statt – wenn sich Menschen zuhören und Lösungen gemeinsam finden wollen. Und damit ich einer Person zuhöre muss ich sie auch kennen. Das schafft eine erste Vertrauenebene und alle sind als Individuum auch wahrnehmbar. Die Vorstellung einer Person kann biografische oder identitäre Aspekte beinhalten, vielleicht sogar beides.

Meine Wenigkeit ist kurz vor der Wende geboren und im ländlichen Raum mitten in Sachsen groß geworden. Ich komme aus einer Arbeiter*innen-Familie und hatte eher weniger finanzielle Privilegien. Als Teenager kam meine Politisierung und lässt mich bis heute Fragen stellen. In der Schule fiel es mir oft leicht und ohne Auslandserfahrung schloss ich meinen Bachelor ab. Heute mache ich "irgendwas mit Medien" und kann mich auf keinem Fachgebiet Spezialist nennen. Derzeit suche ich Möglichkeiten solidarisch & gemeinschaftlich zu wohnen und zu arbeiten.

So oder so ähnlich könnte das aussehen. Dabei ist besonders zu beachten, dass die Lesenden oder mitdiskutanten wirklich eine Verbindung aufbauen, wie schnell diese später wieder abbricht ist der nächste Aspekt. Dennoch kann solch eine "persönliche Öffnung" dazu führen, dass ein Angebot (in Form jedweder Kommunikation) eher wahrgenommen wird und Rezipienten offener gegenüber Argumenten werden. Wichtig: Bei sich selbst bleiben.

Vorschlag 2 – Klarheit hinter der Absicht

Viele schreiben und sind sich nicht wirklich im klaren, was eigentlich die Absicht der eigenen Formulierungen sind. Ist es ein Debattenbeitrag, will jemand neue Wahrheiten verbreiten, geht es um neue wissenschaftliche Erkenntnisse, soll eigentlich Überzeugung, ein Kompromiss oder Konsens am Ende rauskommen oder angeboten werden? Gerade in politischen Kontexten kann eine Aufklärungsabsicht schnell als arrogantes Verhalten wahrgenommen werden. Ein gutgemeinter Hinweis kann Angst vor Bevormundung auslösen und wenn ich daran denke, dass viel zu oft Personen über andere Personen urteilen oder für eine Gruppe solidarität einfordern, dann können Rezipienten denken, sie hätten etwas falsch gemacht. Das kann zu Abkehr, Abgrenzung und Verschlossenheit führen. Unumstritten ist es sehr schwer Menschen zu ereichen, die nicht im eigenen Kontext stehen. Dennoch fördert eine klar formulierte Absicht Transparenz und bietet viel direktere Ansätze zu interaggieren. Das lässt sich auf YouTube sehr gut beobachten. Umgekehrt lösen z. B. diffuse Posts impulsgesteuerte Emotionsausbrüche aus und Kommentardiskurse eskalieren. Ähnlich wie im Journalismus könnten Beiträge klar benannt werden, wie ein Kommentar oder ein Interview. Im politischen Kontext gibt es ja schon ein paar Begrifflichkeiten, wie Aktionsbericht oder Reportagen von Aktionen. Aber wo bleiben die Kommentare, die Umfragen, die Lyrik, die Kunst, der Erklärbärtext für Einsteiger*innen, das Angebot zu einem Streit, wo und wie können wir Offenheit und Zugeständnisse anbieten?

Vorschlag 3 – Adressat*innen beachten Oft stellt sich die Frage nach Szene-internen und externen Rezipienten. Viele, die schon Pressemitteilungen geschrieben haben, kennen genau diesen Aspekt. Sich also die Zielgruppe meines Textes vor Augen führen. Wenn ich Sachtexte lese vermisse ich oft eine Rhetorik die mich als Außenstehenden abholt und mir sachliche komplexe Zusammenhänge erklären. Auf einem wissenschaftlichen Rationalismus kann sich niemand ausruhen. Denn unser Handeln ist durch unsere Emotionalität geprägt. Gleichermaßen vermisse ich Emotionalität und Meinung sehr oft. Es mag für die Vermittlung von Sachverhalten stimmen, dass Rationale Objektivität Sinn ergibt. Aber ein Sachverhalt kann nur durch das Was? Wer? Wann? Und Wo? Nachprüfbar geschildert werden. Alle weiteren Fragen sind schon Interpretationen, welche wiederum durch unsere eigene Persönlichkeit immer beeinflusst wird. Dazu spielt noch ein Aspekt von Kommunikation eine entscheidende Rolle: Noise, also Faktoren, die das Senden und Empfangen von Botschaften erschweren oder gar die Datenmenge reduzieren. Noise kann zum Beispiel Lärm sein, wenn wir uns unterhalten, oder die zu lesende Sprache lerne ich gerade erst. Oder ich kenne Fremdwörter nicht, Hintergründe und Fachwissen fehlen mir. Oder der/die Schreibende wirkt irgendwie unsympatisch, dann sinkt auch meine Aufnahmekapazität. Ebenso können unterschiedliche Biografien durch eigenes "Erfahren haben" zum selben Sachverhalt zu unterschiedlichster Bewertung kommen. Viele weitere Aspekte sorgen dafür, dass Schreiben und Lesen, sowie digitale Kommunikation eher nicht zu einem größeren Verständnis meines Gegenüber führt. Hier einen Ausweg zu finden ist sehr schwer. Aber ein geeigneter Weg könnte die Didaktik sein. Sich also die Frage stellen, WIE schreibe ich es für WELCHE Zielgruppe. Ich selbst bin als Teamender in der non-formellen Bildung tätig und muss mir ganz genau überlegen, wie ich Kinder in einer Schulklasse anspreche und wie ich zum selben Thema Erwachsene, tlw. schon ü40-jährige und älter, begeistere. In diesem Punkt muss ich vor allem die Motivation der Adressaten wecken und den womöglich neuen Erkenntnissen eine Sinnhaftigkeit für deren eigenes Leben anbieten.

Vorschlag 4 – Menschen begegnen sich Wenn wir akzeptieren, dass wir für einen Erkenntnisgewinn oder ein Eingeständnis Mut und Neugier brauchen, also auch aus unserer Komfortzone austreten, dann können wir im nächsten Schritt einer anderen Person begegnen. Diese hat auch ihre Komfortzone verlassen und gemeinsames Lernen wird möglich. Besonders das voneinander-lernen dynamisiert sich in der soganennten Stretchingzone. Denn in diesem Moment hilft nur der anderen Person ein Grundvertrauen entgegen zu bringen, sich empatisch zuzuhören ...

nicht fertig geworden

es folgen dann noch Beispiele um sich inspirazion zu holen (aus Literatur und Medien)

und ein Abschluss...