2019-01:Der Termin

Aus grünes blatt
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Termin Ich habe schon viele Menschen in meinem Leben geweckt. So habe ich im zarten Alter von 5 Jahren meine Mutter zu Muttertag aus dem Schlaf gerissen damit ich ihr mitteilen kann das ich sie ausschlafen lasse, habe meine Nachbarn morgens um halb drei geweckt, was mir leider zwei Jahre auf Bewährung eingebracht hat und wodurch ich gelernt habe dass man sich beim Einbrechen nicht am Schluss verabschiedet und einmal habe ich sogar meinen Lieblings-Wecker geweckt, aber Konstantin hat eh einen leichten Schlaf.

Umgekehrt will ich manchmal unbedingt zu ganz bestimmten Zeiten ganz bestimmte Dinge tun. Und einmal hatte ich meiner Mutter auch versprochen eine ganz bestimmte Zeit einzuhalten – bei allem was mir heilig ist. Und das war nicht all zu viel. Damit fingen dann aber auch alle meine Probleme an. Ich wollte ausnahmsweise einmal diesen Termin einhalten. Natürlich hätte ich einfach einen telefonischen Weckservice nutzen können um den Termin nicht zu verschlafen, aber nachdem ich schon von anderen gehört hatte das dies manchmal danebenging, entschied ich mich dagegen. Auch die Möglichkeit einer persönlichen Weckkraft auf Ein-Euro-Basis war mir nicht verschlossen. Aber nachdem ich sie bezahlt hatte, teilte sie mir mit dass sie erst geweckt werden wollte, wenn sie mit ihrer Arbeit beginnen sollte und das daraus resultierende Paradox brachte mir nur Kopfschmerzen. Erst im Nachhinein kam mir die Idee einfach zwei Ein-Euro-Jobber zu engagieren damit sie sich gegenseitig wecken, aber eine so genial einfache Idee kommt mir nie zum richtigen Zeitpunkt.

So entschied ich mich für den Klassiker. Ich klaute mir einen Wecker. Mit Batterien. Erst als ich ihn scharf gemacht hatte fiel mir ein, dass vielleicht die Batterien leer laufen können und ich dann verschlafen würde. Deshalb ging ich auf Nummer sicher und organisierte mir noch einen Radiowecker, und stellte ihn auf die selbe Zeit wie meinen batteriebetriebenen Wecker. Meinem Nachbarn würde es gut tun auch mal auszuschlafen, er musste als Bahnfahrer immer furchtbar früh raus. Erst dann fiel mit ein, dass wir letztes Jahr auch einmal Stromausfall hatten und es daher möglich war, dass auch dieser Wecker mir meinen Schlaf leider nicht beenden würde. Fünf Minuten später hatte ich dann noch einen mechanischen Wecker gefunden. Das örtliche Museum hatte noch einen übrig. Sonst hätten sie ihn nicht achtlos in eine der Vitrinen gelegt. So richtig sicher fühlte ich mich noch immer nicht. Da kam ich auf die Idee mir selbst einen todsicheren Wecker zu konstruieren. Ich besorgte mir aus der Kirche eine Mehrstundenkerze, stellte sie in eine Wanne voller Benzin und zündete sie an. Sobald sie etwas heruntergebrannt wäre, würde sie das Benzin entzünden und damit eine Stichflame erzeugen welche wiederum die Sprinkleranlage in meiner Wohnung anwerfen müsste. Diese würde dann das brennende Benzin gleichmäßig in der Wohnung verteilen und damit die Gardinen abflämmen. An diese hatte ich vorher wiederum Glocken gehängt, die dann lautstark herabfallen würden. Diese sollten dann von Eimern abgefangen werden, die durch das zusätzliche Gewicht im Benzin-Wasser Gemisch untergehen müssten. Dadurch würde der Wasserstand steigen und dem Feuer die Chance geben die etwas tiefergelegten Dynamitstangen an der Wand zu entfachen. Diese sollten dann die Rückwand meiner Wohnung komplett pulverisieren. Dadurch würde frischer Wind in die Wohnung gelangen, die von mir aufgestellten feuerfesten Segel aktivieren und über einen superkomplexen Flaschenzug mein Bett umwerfen. Und an mein Bett hatte ich einen Ballon mit einer Pfeife befestigt der durch das Gewicht des Bettes zusammengedrückt werden und damit laut fiepen würde. Mit dieser Konstruktion schien ein Verschlafen unmöglich.

Stolz über meine Konstruktion schaltete ich das Licht aus, legte mich zu Bett und blies dann die Kerze aus. Natürlich hatten wir in dieser Nacht auch einen Stromausfall und auch die Batterien liefen pünktlich – wenige Minuten vor der Weckzeit – leer. Nur der mechanische Wecker tat seinen Dienst. Ich hätte ihn nur noch stellen müssen damit er mich weckt. Ich bin dann trotzdem noch pünktlich erwacht. Genau um die Zeit wo ich geweckt werden wollte rief zufällig mein Ein-Euro-Jobber an und fragte nach wann er denn jetzt geweckt werden würde.

So habe ich also doch nicht verschlafen. Und konnte das Versprechen meiner Mutter gegenüber erfüllen. Was ich ihr versprochen hatte? Ach nichts weiter, nur dass ich einmal im Leben pünktlich im Bett sein werde.