2008-02:Bombenräumung & Waldbesetzung

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Tricks von Polizei & FRAPORT? ...

Bombenräumung & Waldbesetzung

fb Um den Ausbau des Frankfurter Flughafens und die damit verbundene Vernichtung eines Waldes bei Kelsterbach zu verhindern, protestieren seit mehreren Monaten AktivistInnen verschiedenen Alters und aus unterschiedlichsten Ländern mit einem Widerstandsdorf. Erste zaghafte Räumungsversuche der Polizei scheiterten, aber Flughafenbetreiber und Repressionsorgane zeigen sich kreativ:

Das Walddorf sollte wegen einer Sprengstoffbeseitigung am 12. September evakuiert werden. Bei der Munitionssuche im Rahmen der ‘Vorbereitenden Maßnahmen’ zur Flughafenerweiterung wurde in der Nähe ein Sprengkörper gefunden. Polizei und der Kelsterbacher Bürgermeister wünschten sich, dass alle BewohnerInnen das Camp verlassen und die Polizei werkeln lassen.

Seit dem Frühjahr 2008 fanden mehrere Besetzungsaktionen statt, die mit dem Aufbau von Widerstandsdörfern (teilweise auch nur kleinen Protestcamps) verbunden waren. Meist handelte es sich dabei um Genfeld-Besetzungen. Grundprinzip ist die Verhinderung von Umwelteingriffen durch Anwesenheit am Ort des Geschehens. Dazu werden schwer räumbare Konstruktionen errichtet (z.B. Tripods, Beton-Lock-Ons etc.), Menschen ketten sich daran fest.

Eine Kampfmittelbeseitigung als Vorwand, um die AktivistInnen von den Lock-Ons und zum freiwilligen Verlassen des Widerstandsdorfes zu bewegen, ist gar kein so schlechter Trick. Auch wenn tatsächlich Kampfmittel gefunden wurden, was hier auch der Fall war. Es folgten Verhandlungen mit der Polizei, ein endloses Plenum und verschiedene Umgangsformen mit der Anordnung das Camp zu verlassen. Letztlich wurde ein Teil des Camps evakuiert (die Leute begaben sich in einen anderen Teil des Protestdorfes - unangekettet); mehrere Plattformen hoch in den Bäumen blieben teils von der Polizei geduldet, teils ohne deren Wissen, besetzt. Der aufgefundene Sprengkörper wurde vor Ort von der Polizei “kontrolliert” gezündet. Das Camp wurde nicht polizeilich geräumt. Die WaldbewohnerInnen forderten danach von der FRAPORT, weitere Sondierungen im Gefahrenbereich des Waldcamps zu unterlassen. Diese signalisierte zunächst Zustimmung, teilte fast zeitgleich der Presse jedoch mit sich nicht daran zu halten.

Eine Chance wurde mit der bereitwilligen Teilräumung des Camps möglicherweise vertan: Was könnte der Abholzung des Waldstückes und der vorherigen Räumung der Hütten und Baumhäuser mit schwerem Gerät besser im Wege stehen als vermutete oder tatsächlich vorliegende Kriegsmunition, die tief im Boden liegt und normalerweise nicht explodiert - was aber ganz anders aussehen kann, wenn tonnenschwere Fahrzeuge darüber hinwegwalzen. Die Umsetzung der Ausbaupläne der FRAPORT hätten noch empfindlicher behindert werden können, wenn hier nicht mit ihr kooperiert worden wäre. EinE der AktivistInnen sagte dazu: “Alte Munition die schon seit Jahrzehnten, in einem öffentlichen Wald, unter der Erde liegt, fliegt normalerweise nicht einfach so in die Luft. Gefährlich wird sie meist dann erst, wenn sie ausgegraben wird”.

Später wurde von AktivistInnen angekündigt, dass es von Seiten des WalbesetzerInnendorfes keine weiteren Zugeständnisse bezüglich der vorbereitenden Maßnahmen zum Flughafen-Ausbau mehr geben würde. Daher wird es keine weitere freiwillige Teilevakuierung des Dorfes zur Sprengung eines Kampfmittels, wie sie am 12. September erfolgte, geben. Für die Gefährdung von Menschenleben im Rahmen der vorbereitenden Maßnahmen, also auch der Munitionssuche, sei allein die FRAPORT AG verantwortlich.

Aktuelle Informationen zur Waldbesetzung gibt es im Internet unter

Die AktivistInnen brauchen weiterhin Unterstützung, z.B. mit Lebensmitteln, Bau- und Brennholz, Materialien, um den Winter durchzustehen und praktische Hilfe. Auch sind alle interessierten Menschen eingeladen für ein paar Stunden oder auch Tage vorbei zu kommen, im Camp aktiv zu werden oder auch für längere Zeit dort zu wohnen.