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Die Globalisisierungsmacher
(2007, Edition Le Monde, 112 S., 8,50 Euro)
Großformatig präsentiert die "le monde diplomatique" Geschichten aus einer brutalen Wirtschaftswelt - Konzerne und ihre Machenschaften werden in kurzen Kapiteln dargestellt. Es lässt einen schaudern. Über Leichen zu gehen (ob Menschen oder nicht-menschliche Natur), gehört zum Handwerk der Profiteure globaler Produktion, Handels und Spekulation.
Leider fehlen dem Buch die Geschichten aus den Hinterzimmern instutioneller Macht, die den Konzernen die Ausbeutungs-Spielräume systematisch geschaffen haben und weiter ausbauen. Geradezu lächerlich wirkt das abschließende Kapitel: Hier darf das Eigengewächs der le monde, die NGO Attac, darstellen, was die Alternative. Viel mehr als der Hinweis, mehr mit PolitikerInnen zu reden, kommt da erwartungsgemäß nicht.

David Rothkopf:
Die Super-Klasse
(2008, Riemann-Verlag, 542 S., 21 Euro)
Loretta Napoleoni:
Die Zuhälter der Globalisierung
(2008, Riemann-Verlag, 382 S., 19 Euro)
Zwei Bücher sehr ähnlicher Machart sind im Riemann-Verlag erschienen - der, wie selbstironisch, zu einem Konzern der Super-Klasse gehört, dessen neoliberalen Denkschulen den Stoff für die Zuhälter der Globalisierung liefern. Bertelsmann - weit verzweigt in eine Vielzahl kleinerer Verlag, die von der Superklasse der Verlage geschluckt wurden. Über den Inhalt des Buches sagt das nicht zwingend etwas aus. Zudem hat der Riemann-Verlag einige Werke verlegt, die den Managern des Mutterkonzern eigentlich als Pflichtlektüre nahegelegt werden könnten.
In den hier betrachteten Werken geht es um die High-Society und ihre Methoden. Die Bücher bieten Geschichten und Einblicke in das Geschehen rund um Reiche und die Quellen dess chnellen Reichtums. Eine vertiefte Herrschaftsanalyse lassen sie vermissen - das ist für den Verlag auch typisch. Insofern können die Bücher Beispiele liefern, aber kein weitergehendes Verständnis dessen, warum die Welt sich so entwickelt, wie sie es tut. Es sind ja keine Aliens, die hier alles steuern, sondern gemachte Zwänge, die dann wiederum konkretes Verhalten nach sich ziehen.

Le Monde diplomatique (Hrsg.)
Atlas der Globalisierung spezial - Klima
(2007, taz Verlag in Berlin, 96 S., 10 Euro)
Seit Jahren bringt Le Monde den Atlas der Globalisierung heraus - eindrucksvolle Karten und Schaubilder zum Zustand der Erde. Ökologische, soziale und wirtschaftliche Themen wechseln einander ab. In diesem bewährten Style nun erschien der Klimaatlas. Im ersten Teil trägt er Informationen über den Zustand der Böden, Wälder und Ozeane zusammen, erklärt den Einfluss des Klimawandels auf Monsunwinde und El Nino und ermisst den ökologischen Fußabdruck von arm und reich. Im zweiten Teil werden exemplarische Lösungsansätze vorgestellt. Angenehm ist, dass nicht wieder High-Tech und Profitchancen durch Öko-Technologien den Schwerpunkt bilden. Die Machtfrage aber fehlt erneut. Dabei könnte der deutlichste Impuls für eine "andere Welt" entstehen, wenn die Menschen (nicht deren Vertretungen, Nationen, Regierungen oder der Markt) über ihre Umwelt bestimmen ohne den Zwang, diese und sich ständig zu vermarkten. Ein klares Wort zur Profitmaximierung via Klimazertifikate und Technikexport wäre angemessen gewesen.

Chris Abbott/Paul Rogers/John Sloboda
Jenseits des Terrors
(2008, Nautilus in Hamburg, 123 S., 10 Euro)
Ist der internationale Terror die größte Bedrohung für die Weltsicherheit? Oder sind es die Folgen der Politik genau jener Staaten und Institutionen, die sich als Schützer vor dem Terror aufspielen? Die Autoren finden eine eindeutige Antwort - aber sie machen es sich auch leicht. Die bösen Mächtigen werden kritisiert, eine fundierte Analyse von Herrschaftsverhältnissen aber fehlt. So verwundert es nicht, dass auch die vom deutschen Verlag angefügte Liste von Organisationen und Projekten am Ende recht willkürlich und unreflektiert erscheint. Warum ist die Agenda 21, diese Werbeschrift der Mächtigen für eine neoliberale Umgestaltung der Welt, plötzlich ein Hoffnungsschimmer? Insgesamt ist das Buch oberflächlich und trieft vor der Hoffnung an die guten Herrscher - leider typisch für deutschsprachige anarchistische Theorie.

Harald Welzer
Klimakriege
(2008, S. Fischer Frankfurt, 335 S., 19,90 €)
Drastisch führt der Autor vor Augen, welche Folgen die Zerstörung der eigenen Lebensgrundlagen haben kann: Die Menschen fallen übereinander her, sind zur Flucht gezwungen oder kommen im Elend um. Der Kampf um Ressourcen wird zunehmend zum Grund für Mord und Vertreibung - der Klimawandel könnte das dramatisch zuspitzen. Das Buch zeigt Zusammenhänge und rüttelt auf.

Udo Pollmer/Susanne Warmuth
Pillen, Pulver, Powerstoffe
(2008, Eichborn in Frankfurt, 206 S., 19,95 Euro)
Wer sich weiter wohlfühlen will im Meer der leeren Versprechen von glücks- und gesundheitbringenden Zusatzstoffen in Nahrungsmitteln, sollte dieses Buch lieber nicht kaufen. Mit spitzer Feder zerlegen die AutorInnen Stoff und Stoff. Übrig bleibt das deutliche Gefühl, dass das wirkungsvollste an all dem Unsinn die Werbung ist, mit der alles verkauft wird. Wahrscheinlich erzeugt es so seine Wirkung: Placebo-Effekt. Ein schönes Buch und Beitrag zur Aufklärung - das ist dem Eichbornverlag mit seinen Polemiken nicht immer gelungen.

Günter Hannich
Börsenkrach und Weltwirtschaftskrise
(2006, Kopp-Verlag in Würzburg, 314 S., 19,90 Euro)
Der Marionettenstaat
(2005, Kopp-Verlag in Würzburg, 153 S.)
Hannich streitet für "natürliche Ordnungen". Das ist für ihn zum einen die natürliche Wirtschaftsordnung, auch als Freiwirtschaft bekannt. Dabei bleibt er aber nicht, sondern sucht das vermeintlich natürlich Geordnete in anderen gesellschaftlichen Fragen, z.B. dem Geschlechterverhältnis. Der Feminismus hätte zu einer künstlichen, der natürlichen Entwicklung entgegengesetzten Rollenverteilung geführt. Krude wirkt auch die Wirtschaftstheorie des Freiwirtschaftlers. Da nur Zins das Problem ist, verschwinden alle sonstigen Faktoren wie Monopole, Kapitalbesitz, Ausbeutung und Abhängigkeiten oder sind kein Problem mehr. So behauptet Hannich, dass Unternehmer und Arbeitsnehmer in einer sehr ähnlichen Lage wären und kaum Geld hätten, weil die Banken über den Zins alles einstreichen. Soso - Bill Gates ein armer Mann? Neben solchen Verwirrungen zeichnet beide Bücher aus, dass sie ihr Thema verfehlen. Im "Marionettenstaat" findet sich nichts über die Machtverhältnisse im Staat, stattdessen umfasst allein das Kapitel über die armen Männer und die sie unterdrückenden Frauen 56 der 135 Seiten. Wer Gründe für den Ausbruch eines Krieges sucht, findet Traktate auf die bösen Russen - im Buch über Börsencrashs. Ist Russland das Produkt einer Finanzkrise? Dennoch lassen sich die Bücher uneingeschränkt empfehlen: Als Fundgrube zu den kruden Theorien der Freiwirtschaft (weitere Quelle: Zitate unter www.projektwerkstatt.de/ aes/freiwirtschaft.html).