2017-01:Rezensionen14

Aus grünes blatt
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Bücher vorgestellt

Markus Hengstschläger
Die Macht der Gene
(4. Auflage 2012, Piper in München, 171 S., 9,99 €)
Was prägt den Menschen? Die Gene oder die Umwelt? Bzw. besser gefragt: Wer hat welchen Anteil? Der Autor stellt in vielen Kapiteln dar, wie und wo Gene wirken. Sein Ergebnis zeigt vor allem, dass nicht nur das Entweder-Oder unsinnig ist, sondern dass es bei der Analyse der genetischen Ausstattung in der Regel darum geht, bestimmte Anfälligkeiten und Tendenzen festzustellen, die sich dann im tatsächlichen Leben Wirkung entfalten können oder nicht. Wer um Risiken weiß, kann gegensteuern, aber nie mit Garantie. Es hilft ja nichts: Die Gene sind eine Ausgangsposition. Das Beste aus dem Leben zu machen, ist immer sinnvoll. Welche Gen-Konstellation könnte ein Argument sein, das zu lassen?

Richard Dawkins
Geschichten vom Ursprung des Lebens
(2. Auflage 2009, Ullstein in Berlin, 928 S., 29,90 €)
Ein Lesebuch voller faszinierender Geschichten über den Ursprung der Arten. Dawkins wählt Arten aus, die vielen unbekannt sein dürften, die aber eine lange Evolutionsgeschichte hinter sich haben, besondere Merkmale aufweisen, die aus der Evolution schwieriger zu erklären sind, oder deren Abstammungsverhältnisse insgesamt viele Fragen aufwerfen. Beseelt von seiner festen Überzeugung an das darwinistische Abstammungssystem und die Evolution per Mutation und Selektion liefert er so ein anschaulich-unterhaltsames Werk gegen jeden Glauben, dass ein Schöpfer nötig war, die Vielfalt des Lebens einschließlich seiner Skurrilitäten zu erschaffen. Das gilt – auch wenn in neuestes Zeit sowohl Genetik wie auch Evolution dem klassischen Darwinismus Korrekturen zufügen wie z.B. die Vererbung erworbener Eigenschaften per Schaltergene. Den Schöpfergott braucht's dafür aber auch nicht.

Michael Blastland/David Spiegelhalter
Wirst du nicht vom Blitz erschlagen, lebst du noch in tausend Jahren
(2013, Bastei Lübbe in Köln, 416 S., 9,99 €)
„Was wirklich gefährlich ist“, wie der Untertitel verspricht, klärt das Buch zwar nicht, aber es bietet doch eine unterhaltsame und erhellende Sammlung von Gerüchten, Irrtümern und Phantasien, die uns im Alltag bedrohen sollen – und was stattdessen unterschätzt wird. Ob gezielte Panikmache z.B. durch Berichterstattung über (eigentlich seltene) Verbrechen, Angst vor unbekannten Situationen, fremden Gegenden oder Extremsportarten – vieles führt zum subjektiven Gefühl großer Gefahr. Seite für Seite erfahren Leser_innen in diesem Buch, dass der erste Eindruck oft täuscht. Andere Situationen, die kaum Angst einjagen, sind weit anfälliger für Gefahren.

Regis Debray
Lob der Grenzen
(2016, Laika in Hamburg, 58 S., 9,80 €)
„Dumme Idee“, „Albernheit“, „Augenwischerei“ und „Illusion“ – schon auf der ersten Seite des Buches macht der Autor mit seiner Beschimpfung des Rufes „No border“ deutlich, dass er an sachlicher Auseinandersetzung kein Interesse hat. Auf den folgenden Seiten stellt er historische Regimes wie die Sklavenhaltergesellschaft des Römischen Reiches als Vorbilder für den Wert fester Grenzen dar und mäßigt sich auch nicht, biologische Konzepte der Revierbildung oder geschlossener Systeme als vermeintlichen Beleg heranzuführen. Das Denkmuster ähnelt in bedrückender Weise Vordenkern der neuen Rechten wie Alain de Benoiste – nur dass wir hier in einem Verlag sind, der von Ex-RAFlern geführt, von der Jungen Welt gefeiert und also als linksradikal eingestuft wird.